• Naddi

Und mein Kopf labert und labert und labert- "bewusst sein trainieren #1 "

In diesem Artikel geht es das erste Mal um das Thema Achtsamkeit und Bewusstseins-/bewusstes Sein Training/trainieren.

Denn das ist das Lebensmodell, mit dem ich mich am Wohlsten fühle. Der Gedanke, dass alles ein Bewusstsein hat und dass ich es bin, die mit meinem Bewusstsein mein Leben gestalten kann, fühlt sich vertraut an und gibt mir das Gefühl, mich verbunden zu fühlen. Und danach habe ich mich immer gesehnt.

Deshalb war mir wohl auch lange nicht klar, warum es nicht förderlich ist, ständig in Erinnerungen zu schwelgen oder sich über Vergangenes zu ärgern. Wer bin ich denn dann, ohne meine Erinnerungen?


Doch um bewusst sein zu können, musste mein Kopf erstmal ruhiger und leere werden.

Denn ja, das berühmte Mindset, die Fähigkeit sich immer wieder zu motivieren und disziplinieren können, entscheiden glaube ich im Leben über Erfolg, in Form von "ich habe was aus der Situation gelernt und komme weiter" oder Misserfolg "das lief nicht nach meinen Vorstellungen, durch das Level (den Konflikt) muss ich nochmal durch".

Ich weiß noch, als alle "chakka du schaffst das" gesagt haben. Boah, wie obernervig fand ich das damals. Ich konnte damit überhaupt nichts anfangen.

Aber gleichzeitig viel es mir auch echt schwer überhaupt irgendetwas in diese Richtung umzusetzen. Mein Kopf war schon immer so voll mit Gedanken, Geplapper und Erinnerungen. Ich bin aber davon ausgegangen, dass das völlig normal ist. Ich muss ja denken, also denke ich und über was soll ich denn sonst nachdenken? Als ich dann mitbekommen habe, dass man die Kompetenz haben kann, bewusst zu denken, war ich völlig erstaunt. Das wollte ich auch können!


Aber wieder wie bei der Hausrenovierung habe ich auch hier festgestellt, dass erstmal der ganze alte Müll raus muss, aus meinem Denken. Damit es da drin sauber und still genug ist, um es bewusst neu und nach meinen Vorstellungen gestalten zu können.

Und welche Superpower half mir dabei am Meisten? Das Akzeptieren. Ich glaube an manchen Tagen habe ich mir dieses Wort gefühlt 700 Mal im Kopf vorgesagt. Und habe mich nur darauf konzentriert. Egal was im Außen gerade passiert ist, wenn ich gemerkt habe, dass es mich ärgert, stört, runterzieht, egal was, habe ich mich einfach nur gezwungen an dieses eine Wort zu denken. Am Anfang passierte noch nicht wirklich viel, aber das Positive war, dass sich dadurch nichts verschlechterte. Also, ehrgeizig wie ich bei sowas dann bin, probierte ich das weiter. Und immer, wenn ich Zeit für mich alleine hatte, machte ich nichts anderes als akzeptieren. Das war cool. Nun merkte ich zum ersten Mal, dass ich doch ganz viel mache, während ich akzeptiere. Ich habe es nur nicht wahrgenommen.


Aber je öfter ich es übte und je öfter ich es auch alleine übte, je mehr konnte ich auf einmal spüren, wie mein Körper sofort Reaktionen zeigt. Und irgendwann merkte ich, wie sich mein Gefühl, mein Körperempfinden und meine Gedanken veränderten, wenn ich begann bewusst und aufmerksam die Situation einfach nur zu akzeptieren.

Mit die größte Erleichterung war, dass Ruhe in meinen Kopf eintrat. Und Ruhe in meinen Körper. Das Gefühl der ständigen Alarmbereitschaft ließ nach. Und ich stellte fest, dass meine Erinnerungen, mit denen mein Verstand ständig beschäftig waren, gar nicht natürlich sind. Dass das so gar nicht sein muss. Die wollte raus. Hier fällt mir das Zitat ein, man solle nicht alles glauben, was man denkt. Es stimmte zwar nicht alles, was ich dachte. Aber es wollte mir alles etwas sagen. Es waren alles Erinnerungen, an Situatinen und Gefühle, die ich nicht verarbeitet und verdrängt hatte.


Wie bei täglich grüßt das Murmeltier, die Schleife wiederholt sich solange, bis ich alle Aspekte bewusst wahrgenommen habe. Und das ist wohl oft die Schwelle, an der ich gekniffen habe. Heute würde ich sagen, dieses innerliche Loslassen von gedanklichen Verhaltensmustern und damit in Verbindung stehenden körperlichen Symptomen fühlt sich immer n bisschen wie Freefalltower fahren an. Huch.... saust der Boden unter den Füßen weg. Die Verbindung reisst ab. Ich nennen es gerne einen kleinen Tod sterben. Aber ja, so ist es für mich. Ich lass ein altes Ich von mir los. So, dass ich das daraus gelernte bewusst wahrnehme als Gefühl und Gedanken und dann einfach loslasse. Gedanklich und körperlich. Und natrülich fühlt sich dass dann ein paar Augeblicke völlig orientierungslos an. Wie der Neustart beim Computer. Mein ganzes System konfiguriert sich ja gerade neu. Aber wenn es sich wieder gestartet hat, ist es upgedatet. Wenn das Haus kernsaniert wird, können wir es uns auch manchmal nur schwer in fertiggestelltem Zustand vorstellen. Aber wenn wir einfach weiter machen, dann kommen nach dem Bodenbelag die Wände und das Haus ist wieder ein Stück mehr renoviert. Kennst du dieses Gefühl? Wie ein Schauer, der mich dann packt, manchmal wollen auch Tränen raus. Manchmal will ich mich dazu bewegen oder malen.


Und ja, das ist ein unfassbar gruseliges Gefühl. Aber ich fühlte mich dieses Mal nicht allein. Durch die bewusste Entscheidung, meinen Verstand zu beruhigen, fühlte sich jede Erfahrung viel vertrauter an, als die Tipps und Tricks und Methoden, die ich zuvor ausprobierte, denn es fehlte immer die wichtigste Komponente, ich. Ich konnte nun also auch loslassen. Und wenn ich die Schwelle überschritte habe, dann wird aus dem Gefühl der Leere, das Gleiche Gefühl, als ob ich das perfekte Lied höre. Immer wieder schafft es ein wundervolles Musiktalent einen Song zu zaubern, der jede Zelle meines Ichs packt. Und diese Erfahrung gab mir jedesmal mehr Mut und Selbstvertrauen weiterzumachen.

"Seit den 1940ern vermuten Wissenschaftler, dass Erinnerungen in Neuronengruppen gespeichert werden, die man auch als Zellverbände bezeichnet. Diese vernetzten Zellen feuern gemeinsam in Reaktion auf einen Stimulus, beispielsweise das Gesicht eines Freundes oder der Geruch von frisch gebackenem Brot. Je öfter die Neuronen gemeinsam feuern, desto stärker wird ihre Verbindung zueinander. Wenn die Zellen dann in Zukunft von einem Stimulus getriggert werden, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass der gesamte Zellverband reagiert. Die kollektive Aktivität der Nerven transkribiert dann das, was wir als Erinnerung erleben. Noch wissen die Forscher nicht genau, wie dieser Prozess im Detail funktioniert."(nationalgeopraphic.com)

Für mich war das völlig normal, dass ich mich ständig an etwas oder irgendjemanden erinnerte. Ich erklärte mir das so, dass ich mich ja entweder gerne daran erinnere, weil ich es mag oder eben nicht mag und mich daran erinnere, um es zu ändern.


Mit der Zeit konnte ich immer mehr von diesen alten Erinnerungen loslassen. Wieder ne menschliche Superpower. Loslassen können. Leben in der Vergangenheit verstehe ich so, dass dazu auch die immer wiederkehrenden alten Erinnerungen im Kopf zählen. Und es raubt einem so viel Kraft sich damit ständig auseinanderzusetzen. Denn, hier kommt noch ne Superpower dazu, die Resonanz. Durch diese Dauerschleifen in meinem Denken, bin ich es selbst, die den Trigger immer wieder anfeuert.

Pff, ganz ehrlich. Wieso bringt uns Menschen das denn keiner bei? So einfach oder. Ich dachte immer, Gehirne machen das so.


Nein, im Ernst. Ich habe für mich rausgefunden, dass ich am besten klarkomme, wenn ich weiß, wie ich funktioniere. Denn dann kann ich mich kontrollieren und das ist doch das einzige, über das ich die wirkliche Kontrolle habe und auch haben will. Und hier ist für mich der beste Weg über das Verständnis von Leben, dass alles Bewusstsein ist und ich die meiste Kraft habe, wenn ich es schaffe, mit meinem Bewusstsein in Verbindung zu stehen.

Und als ich die Kontrolle über meine Gedanken bekam, in dem ich mich darin übte, sie einfach still werden zu lassen, realisierte ich, dass ich immer weniger in Resonanz gehe mit dem, was um mich herum passiert. Dieser Sog, in den ich mich manchmal automatisch reingezogen gefühlt habe, wenn ich auf einen Trigger traf, wurde immer schwächer.

Und so hat sich mein Denken, Fühlen und Handeln umprogrammiert. Ich habe meine Lernmuster auf neue Situationen oder mir unwohle Momente umgestellt auf: akzeptieren, fühlen, loslassen und automatisch gehe ich nicht mehr in Resonanz und schon habe ich die Wahl, wie ich weitermache. Im Hier und Jetzt, mit den mir im Moment zur Verfügung stehenden Kompetenzen. Mehr brauche ich nicht. Denn dadurch lerne ich automatisch immer wieder dazu.

Und das echt richtig coole als Mensch, zumindest erlebe ich da so, ist, dass sowas nie einseitig oder linear verläuft. Als ich z.B. meinen Fokus daraufgelegt habe, diesen Kopf einfach nur still zu kriegen, wurde mein Körper auch stiller. Und die Bewältigung des Alltags wurde auch leichter. Und ich merkte, dass ich bewusst denken, sehen, hören, reden, fühlen und wahrnehmen kann. Bei mir klappt das am Besten in und mit meinem Team. Denn dann fühle ich mich verbunden und sicher.


Und um zur obigen Frage nochmal zurückzukommen, wer ich denn bin ohne all meine Erinnerungen? Immer noch die gleiche, nur sind diese Erinnerungen nun als Erfahrungen verarbeitet und physisch und psychisch neu abgespeichert. Ich kann diese nun bewusst abrufen, sie schwirren nicht mehr unkontrolliert und unbewusst herum.

Ich wünsche dir heute ein paar stille Augenblicke.

LG

Naddi

Im nächsten Artikel in der Reihe "bewusst sein trainieren #2" erzähle ich dir, warum ich es so wichtig finde, worauf ich meine Aufmerksamkeit lenke

  • White Facebook Icon