• Naddi

Was ich morgens brauche, um motiviert in den Tag zu starten

Wie mir mein Morgenmuffel hilft, mich zu erinnern, was ich morgens wirklich brauche.


Der Morgen ist eine wundervolle Tageszeit. Ich finde, er fühlt sich immer so ein bisschen wie Neugeburt an. Wer weiß schon, was er mit sich bringt. Aber das ist auch das Unberechenbare, was mir oft Angst gemacht hat, noch bevor ich überhaupt richtig wach war.


Für mich ist jeder Tag irgendwie in sich wie ein Leben. Aufstehen, leben und lernen, abschließen und einschlafen.


Wie im Großen, so im Kleinen. Diese Sicht-und Denkweise hilft mir immer sehr, Orientierung und Sicherheit zu bekommen. Denn in den Zeiten, in denen meine Depressionen wirklich schlimm waren oder meine Kinder mich nicht mehr als 20 Minuten am Stück schlafen ließen, entschied das oftmals darüber, wie chaotisch der Tag verlaufen würde. 

Und gerade der Morgen war lange Zeit eine echte Herausforderung. Aber ich wollte unbedingt die Lebenserfahrung machen, mich auf den Tag freuen zu können. Nur wie?

Hier half mir wieder das bewusste Denken und Fühlen des Augenblicks. Dadurch erkannte ich, was ich wirklich am Meisten brauche, Sicherheit.


Sicherheit und Vertrauen, dass ich alles schaffe, was auf mich zukommt und ich mich dabei immer unterstützt fühle. Und zwar so, dass ich meinen Alltag auch alleine meistern kann. Ich wollte mich unterstützt und verbunden fühlen.


Ich habe für mich gemerkt, dass ich viel schneller und leichter an mein Ziel komme, wenn ich ein Gefühl dafür habe und erstmal nur anstrebe dieses Gefühl dafür zu bekommen. Das Rumschrauben an Äußerlichkeiten setzte mich nur unter Druck und ich vergaß oft, um wen es dabei wirklich geht. So habe ich für mich entschlossen, dass ich erstmal an der Basis anfange. Wenn ich mich nicht gut dabei oder damit fühle, mache ich es nicht mehr. Das ist das ein Versprechen, dass ich mir gegeben habe und ich weiß, dass mensch sich auf mich verlassen kann. Also kann auch ich mich auf mich verlassen. Und für den Morgen war mir einfach nur wichtig, dass es mir Spaß macht aufzustehen und dafür musste ich mich sicher und verbunden fühlen. An den Rest wollte ich gar nicht denken, erstmal schaffen, die Augen aufzumachen und mich sicher fühlen. Mit einem stillen Kopf und einem wohligen Gefühl im Herzen.


Eine sehr hilfreiche Brücke war mir hier ein Plakat, dass ich mir gebastelt habe, es hing in meinem Schlafzimmer und darauf schrieb ich alle Gefühle, die ich mir für den Morgen wünschte. Das Plakat hing so, dass es das erste war, worauf ich morgens schaute. Denn ich kenne mich, wenn mein Kopf erstmal am Reden ist, …. kein Kommentar. Und es war das letzte, was ich sah, bevor ich einschlief. Und jedes Mal, wenn ich mir irgendwelche Gedanken um den Tag, das Einschlafen oder Aufwachen machte, akzeptierte ich diese Gefühle, spürte sie und lies sie zu. Erinnerte mich aber gleichzeitig an mein Plakat. Das will ich, so will ich mich fühlen. Auch wenn es jetzt noch nicht so ist, egal. Dahin will ich. Egal wie lange es dauert, es fühlt sich jetzt schon so lange mies an morgens, schlimmer geht eigentlich nicht mehr. Es geht nur noch besser und das jeden Tag ein Stückchen. Wie in allem, es braucht seine Zeit, bis ich Neues gelernt habe. Klassische Konditionierung klappt bei mir super, zum Glück lerne ich mich ja auch immer wieder neu und besser kennen, sodass ich das weiß und mich eben geduldig und voller Vertrauen langsaaaaam, aber sicher ans nächste Ziel schippere.


Also ließ ich meinen Gedanken gar nicht erst die Chance loslegen zu können, bevor ich mich nicht bewusst an meinen neuen Plan für mein Gefühl am Morgen erinnerte. Und von Augenblick zu Augenblick klappte das besser, mein Vertrauen in mich und das Leben wurde ständig stärker. Und daraus entwickelte sich mein Ritual für den Morgen, denn für mich gehört es auch dazu zu wissen, was ich morgens brauche, um einen guten Start zu haben. Sich auf den eigenen Tag zu freuen, egal was er bringen könnte, zählt für mich zu meinem Menschenrecht. Aber ich bin mir auch bewusst darüber, dass es in meiner Verantwortung liegt herauszubekommen, was ich brauche um dieses Gefühl fest in mein Leben integrieren zu können. Und damit meine ich nicht, dass ich jeden Tag nur mache, worauf ich Lust habe. Ich meine damit, dass der Morgen für mich ein wichtiger Indikator dafür ist, ob ich mit mir und meinem Leben im Reinen bin. Und dann ist es egal, ob ich nur 20 Minuten am Stück schlafe, weil das Baby gestillt werden will oder ich kaum schlafe, weil ich umziehe und zwei Häuser gleichzeitig renovieren und in Ordnung halten muss. Denn eines ist mir aufgefallen, wenn ich mich nicht bewusst mit meinem Tag und den Gefühlen für meinen Tag auseinandersetze, stehe ich sogar im Urlaub mit schlechter Laune auf und muss, wenn meine Depression (also meine Erschöpfung, mein “zu viel unbewusst in den Tag hineingelebt”) zu stark sind, morgens einfach weinen oder ich streite mit den Kindern oder es tut wieder weh beim Aufwachen.


Ich erinnere mich noch gut, wie ich die Kinder in den Kindergarten oder die Schule gebracht habe und so sehr darauf gehofft hatte, dass mich keiner anspricht oder irgendetwas sagt, denn ich hätte sofort heulen müssen. 


Oder als ich noch in einem riesigen Unternehmen gearbeitet habe, war es der Alptraum für mich, an den Kaffeeecken vorbei zu kommen. Immer in der Hoffnung, dass mich jetzt keiner erwischt, der seinen Morgenplausch mit mir halten möchte. 


Ich habe für mich aber bewusst dazu entschieden, dass ich Frieden mit dem Aufstehen, aber auch mit dem Einschlafen schließen möchte. Beides hängt bei mir immer eng damit zusammen, wie entspannt ich allgemein so drauf bin. Und damit auch nicht nur meine Gedanken, meine Gefühle, sondern auch mein Körper. Ich will morgens komplett begrüßt und geweckt werden. Alles in und an mir. Das fühlt sich immer so an, als würde ich meine Verbindung aufbauen. Der Körper reckt und streckt sich. Wir lagen ja auch stundenlang zusammengeknoten da. Nach nur 2 Stunden Kinobesuch tut mir alles weh und ich muss mich erstmal wieder dehnen.

Aber wenn ich mehrere Stunden im Bett lag, muss ich meinen Körper nicht wieder einrenken und durchbluten? Doch Naddi, das musst du. Und auch das tat ich.


Anfangs war das so schmerzhaft. Dieses Dehnen und Strecken, Sport morgens war undenkbar. Und dann die Atemnot. Ach herrje, Ende 20, aber ich fühlte mich uralt. Aber auch da sagte ich mir, einfach weiter machen, immer als meine beste Freundin und motivierende Trainingspartnerin. Mit diesen Rollenspielen und Hüten, die ich mir aufsetze, gelingt es mir besser, mich bewusst auf etwas zu fokussieren und bewusst wahrnehmen zu können. Die Stimmen in meinem Kopf sind ja eh da, also setze ich sie bewusst ein.


Und daraus entstand ein Morgenritual, mit dem ich mich sicher und wohl fühle. Aber auch eins, dass ich wieder individuell und situativ anpassen kann. Denn das habe ich durch meinen Morgenmuffel auch wieder gelernt. Es ist immer alles da, vor allem alles was ich brauche. Aber nicht immer, was ich möchte. Das zu unterscheiden war mein Durchbruch, um morgens klar zu kommen.

Kommt mein Morgenmuffel jedoch mal wieder zurück, dann ist das ein klares Signal an mich, dass ich irgendwo ein Ungleichgewicht habe. 


Ich darf also wieder etwas neues Lernen.


Als Fazit würde ich sagen, war der Morgenmuffel eigentlich ein ziemlich missverstandener Wegbegleiter, der mir in Wirklichkeit nur zu verstehen geben will, das ich etwas anderes brauche, um eine sicheres Grundgefühl für den Tag zu haben. Ein weiterer Mitspieler, der mir nur zeigen möchte, wie wichtig es ist, dass ich mich verbunden fühle. Mit mir und dem Leben. Wie das Betriebsklima im Büro. So hilft er mir dabei, dass Betriebsklima für mich und meine "Arbeitsstätte Tag" positiv zu halten.


Und ich zu sein fühlt sich immer nur dann wirklich gut an, wenn alle Teammitglieder zusammen sind. Dazu gehört mein Körper, der morgens in Bewegung kommen muss, damit er nicht mehr so geknickt und zusammengefaltet wie mein Kissen ist. Dazu gehört aber auch, dass ich mich auf mich verlassen kann, dass ich rechtzeitig ins Bett gehe, um ausreichend Schlaf zu bekommen und Pausen mache. Und dazu gehört, dass ich mich mit all meinen Aspekten akzeptiere, mein Leben in den Mittelpunkt setze und die Verbindungen, die Kommunikation aufrecht und positiv halte. Denn dann fühle ich mich tagsüber gesehen und geliebt, was dazu führt, dass ich den Tag abends erfüllt abschließen kann, was dazu führt, dass ich morgens wieder mit etwas mehr Vertrauen und Motivation aufwache.



Bis bald,

Naddi

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