• Naddi

Schluss mit Ausreden!

Immer ehrlich sein? Immer Tun und Handeln in Harmonie bringen?


Ausreden, was hatte ich schon noch mit Ausreden zu tun? Aber warum machte es mich immer noch fast wahnsinnig, wenn ich bei jemand anderem das Gefühl hatte, er würde mir mit einer Ausrede kommen? Ich weisß doch, dass es mich nur stört, wenn ich selbst damit noch eine Thematik bei mir selbst habe. Aber welche? Ich machte doch, was ich sagte. Zog es durch, wenn ich etwas anfing. Ganz oder gar nicht, das ist gerne mein Motto.


Okay, wo also kam ich immer noch mit Ausreden oder in der Vergangenheit damit und habe daraus entstandene Konflikte noch nicht gelöst? Die Antwort war so einfach, wie schmerzvoll. Bei mir selbst. Immer eine Ausrede jetzt doch nicht das zu machen, was ich brauchte. Einen Grund finden, nicht selbst die Verantwortung für mich und mein Wohlbefinden zu übernehmen. Die letzte Angst, die ich mir aufgespart hatte, um dieses Thema endlich loslassen zu können, war meine Angst vor dem allein sein. Also nicht darin, dass ich nicht alleine etwas machen kann. Im Alltag war diese Angst kaum mehr zu spüren. Sie zeigte sich mittlerweile nur noch in Situationen, in denen etwas ganz Neues bevorstand, es also um mein Selbstwertgefühl und mein Selbstvertrauen ging. Oder wenn ich auf Toilette musste, anstatt jetzt noch etwas fertig zu machen. Mir etwas zu essen zu zubereiten, anstatt jetzt jemand anderem etwas zu helfen, wach zu bleiben, weil ich nichts verpassen wollte, anstatt früh ins Bett zu gehen etc. Und diese Ausreden benutzte ich dann immer wieder, um für mich zu kämpfen, dass mich doch jemand wahrnimmt, sieht, mir Aufmerksamkeit schenkt.



Also es war das Kind in mir, dass getröstet und umsorgt werden wollte. Das immer noch Angst hatte, das es ruft und es kommt niemand, weil es möchte, dass sich doch endlich mal jemand um es kümmert, so wie es sich das vorstellt ;.). Und dieses Gefühl, begleitet mit dem Bild eines schwarzen Loches in das ich hineingezogen werden, diese Urangst, die hat mich immer wieder dazu veranlasst, eine Ausreden zu suchen, jetzt nicht das zu tun, was ich brauchte, sondern was ich wollte, mein Verstand und mein Lustempfinden schürten und phantasierten sich Erwartungen, die nie erfüllt werden konnten. Ich kann als Erwachsene von niemandem mehr so getröstet werden, dass es sich anfühlt, als sei ich noch das Kind von damals. Mich versorgt niemand mehr, wie ein kleines Kind. Ich bin nun erwachsen und muss diese Probleme wie eine Erwachsene angehen und lösen. Das war eine sehr erleichternde Erkenntnis. Und ich löste gleich zwei Probleme auf einmal. Ich packte das Thema Ausreden an und lernte Trost zu finden.

Nachdem ich mich also dazu entschieden hatte, Ausreden und faule Kompromisse aus meinem Verhaltensrepertoire zu entfernen, tat das anfangs ganz schön weh. Denn da fiel mir auf, dass ich mir selbst ziemlich viele Ausreden suchte, die ich aber jahrelang gar nicht als Ausreden empfand, sondern darin immer die Gründe für so viele Probleme gesehen habe. Und diese Ausreden fühlten sich so gut an, so logisch, so sinnvoll, bedeutungsvoll. Ja, das war eine der größten Herausforderungen.


"Wenn ich doch keine Ausreden mehr habe, dann verliert irgendwie so vieles an Bedeutung. Wie jetzt? Sind Gefühle doch nicht so wichtig? Hat alles wirklich nur so viel Bedeutung, wie ich ihm gebe? Wo ist dann der Kompass, wenn ich dieses Neuland betrete? Was mache ich anstelle einer Ausrede?" Ein Gedankenkarusell, von dem ich weiß, dass ich es erstmal beruhigen muss, bevor ich weiter nach Lösungen Ausschau halte.


Ich hatte meine Ausreden immer schön getarnt als Gründe, weshalb ich etwas nicht kann, habe oder mich schlecht fühle. Ich gab Verantwortung, für mich, ab. Heute weiss ich, dass ich in genau diesen Situationen eigenverantwortlich handeln und meine Bedürfnisse wahrnehmen muss. Meine Gedanken beobachte und meistens dann auch beruhige.


Ein wahres Wundermittel, die Akzeptanz fest in das alltägliche Leben zu integrieren. Bei einem meiner Therapeuten wurde mir mal gesagt, ich hätte Anpassungsschwierigkeiten. Das traf mich wie ein Schlag, denn gerade weil ich mich ja ständig versuchte irgendwie anzupassen und reinzupassen ging es mir doch wieder so schlecht. Dachte ich. Die Wahrheit ist wie immer viel komplexer. Aber was stimmte, dass es mir schwer viel etwas, das nicht ich gemacht hatte oder indem ich mich nicht gesehen fühlte, zu akzeptieren. Vielleicht aus Angst, wieder die Verantwortung dafür übernehmen zu müssen oder unter den Konsequenzen leiden zu müssen.


Heute ist es mir egal, warum es wie war. Ich akzeptiere es einfach, voll Verständnis für mich, ohne Groll oder Ärger, dass ich wieder in eine von mir selbst kreierte Falle tappen wollte. Also akzeptiere ich auch den Versuch eine Ausrede zu benutzen, einen faulen Kompromiss eingehen zu wollen, und nehme es mit Humor. Das ist für mich das tolle an Ausreden, sie fühlen sich einfach nicht gut an. Sie entlarven sich sehr schnell selbst. Und ich habe mir versprochen, nur noch Entscheidungen zu treffen, mit denen ich mich gut fühle.


Im nach innen gerichteten Verändern war ich zu diesem Zeitpunkt, als ich den Entschluss fasste, keine Ausreden mehr zu benutzen, noch nicht wirklich erfahren, also hatte ich umso mehr Angst. Aber auch das akzeptierte ich. Und dann geschah etwas wundervolles. Ich bekam sofort ein Gefühl der Sicherheit. Was völlig Gegensätzliches zu den Gefühlen war, die ich bisher hatte und kannte. Ein vertrauensvolles Gefühl, eins, dass sich wie Trost angefühlt hat.


Und so ist es auch heute noch, ich verändere eine Sache, übernehme Verantwortung anstelle einer Ausrede und die Auswirkungen merke ich aber an mehreren Situationen in meinem Leben. Das bedeutet aber auch, dass ich dann in mehreren Situationen in meinem Leben anders sein werde. Und das war bisher immer der Nutzen, den ich aus meinen Ausreden zog. Das Alte, das sich zwar schlecht anfühlte, aber vertraut war. Aber es brachte mich eben nicht mehr weiter. Ich stand auf der Stelle. Und auch hier war mein Herz wieder voll mit im Team und ich verließ mich auf mein Herz. Wenn es sich gut anfühlt, kann ich auch weiter machen. Und nicht nur mein Herz fühlte sich leichter an. Die Aufgaben, die ich zu erledigen hatte, wurden viel einfacher oder erledigten sich von selbst. Die Begegnungen mit Menschen wurden harmonischer.


Und so eliminierte ich Ausrede für Ausrede mir und allem andern gegenüber aus meinem Leben und übte mich jeden Tag darin, einfach zu akzeptieren und weiterzumachen. Und jedes Mal fühlte es sich schneller noch besser an. Heute weiss alles in mir, wie schnell ich aus einem Konflikt rauskomme, wenn ich z.B. das Wörtchen "akzeptieren" denke und daher fällt es mir immer leichter, es zu denken.


Die Veränderung fing mit meiner Entscheidung an. Aber daraus ergaben sich viele neue Abzweigungen, die mir dabei halfen, nicht mehr in das alte Verhaltensmuster zurück zu wollen. Denn es hat seinen Nutzen verloren. Der Preis ist einfach zu hoch, die Opfer zu groß. Zum Beispiel lieber allein, aber entspannt und ruhig, als unter 10 Leuten, mit Geplapper und Lärm. Ja, manchmal ist das die bessere Entscheidung für mich. Auch wenn das mega langweilig und spießig ist, auch wenn´s kaum einer versteht. Ich verstehe es, ich verstehe mich und nehme mich ernst. Das hat mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben und mein Selbstwertgefühl gestärkt.


Fazit? Weg mit den Ausreden, denn Leichtigkeit und die Freude, wenn Reden und Handeln in Einklang sind, fühlen sich viel besser an, als im vertrauten Hafen der alten Verstrickungen hängen zu bleiben. Heute komm´ ich kaum mehr auf die Idee, eine Ausrede zu benutzen. Heute kann ich mir und anderen ehrlich sagen, was ich möchte oder brauche ohne gleich verletzend oder abwertend zu werden, mir oder anderen gegenüber. Das Finetuning ist natürlich nie zu ende und manchmal poltere ich auch noch ziemlich rum. Aber das macht nichts, das positive Gefühl und die Leichtigkeit, die diese Eigenverantwortung mit sich bringen, lassen alles andere zu normalen Begleiterscheinungen werden, die ich akzeptiere :) Und heute verletzen mich die Ausreden, die ich glaube bei anderen zu merken, auch nicht mehr. Ich kann sie viel leichter akzeptieren und empathisch darauf reagieren, mitfühlend und verständnisvoll, mir und den anderen gegenüber.


LG

Naddi

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