• Naddi

Wir alle sind Kinder des Lebens

Über die Sehnsucht des Lebens nach leben. Steckt sie in uns allen? Spüren wir diese Sehnsucht? Und was können wir mit dem Wissen machen, dass das Leben Sehnsucht nach sich selbst hat?



Hier wieder ein Denkansatz, der mir half, mit mehr Achtsamkeit und Bewusstheit meine Gedanken zu kontrollieren und "umzuprogrammieren":


Khali Gibran:

... Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber...


Das erste Mal sind mir diese Zeilen begegnet, als mein Sohn auf die Welt kam. Ich verstand sie nicht gleich, aber das Gedicht begegnete mir immer wieder. Bis es mir zur Geburt meines dritten Kindes geschenkt wurde. Danach hängte ich es mir in die Küche und laß es jeden Tag, oft mehrmals. Diese Zeilen gaben mir unglaublich viel Kraft, diese ganze Verantwortung des Mutterseins irgendwie besser zu überstehen. Da ich ziemlich viel mit den Kindern alleine bin, war diese Art der Unterstützung genau richtig für mich. Damals gab ich dieser Sehnsucht des Lebens in mir selbst aber noch keinen Platz. Ich habe sie damals noch nicht wahrnehmen können, ich habe einfach noch nicht darüber nachgedacht. Mir war nur klar, dass ich das nicht alleine in der Hand hatte, meine Kinder optimal auf das Leben hier vorzubereiten, denn so mächtig bin ich leider oder zum Glück nicht. Aber ich wollte die Türen offen halten, für so viele liebevolle Erfahrungen und Lernmöglichkeiten wie möglich.


Die Sehnsucht des Lebens nach sich selber.


Dieser Satz fühlte sich unfassbar gut und tröstlich an. Denn er ließ so viele beschissene, schmerzvolle Momente einfach Sinn bekommen. Er war so erfrischend unter all den destruktiven Gedanken, die ich sonst so in meinem Kopf vorfand. Dieses Denken, dass da was so Großes wie das Leben einen Sehnsucht hat, nahm mir Verantwortung von den Schultern. Denn ich weiß, dass ich meine Kinder nicht alleine versorgen und großwerden lassen kann und muss.


Und irgendwann hatte die Sehnsucht des Lebens dann doch Platz in meinem Leben.


Heute definiere ich mein menschliches Leben für mich als Bewusstsein, bewusstes, gesteuertes Denken, freier Wille und Fühlen mit jeder Zelle meines Körpers. Und, das Leben auf meiner Seite zu haben, um meine Kinder beschützter großwerden zu lassen ist für mich ein Denkansatz geworden, der mich täglich begleitet. Anfangs kam ich mir schon etwas blöd vor :) Aber hey, ob ich jetzt ne Pille schlucke, von der ich glaube, dass sie mir hilft, oder einen neuen Denkansatz ausprobiere. Glücklicherweise bin ich sehr experimentierfreudig. Und durch meine Therapiesitzungen wusste ich, dass meine Denkansätze nicht immer positiv für mich sind. Aber es ist auch genau diese Sehnsucht, die mich aus den tiefsten Löchern meiner Depression wieder rausgeholt hat. Also dachte ich mir, schlecht gehts mir eh schon. Also probier ich`s einfach mal aus und schau, ob es sich gut anfühlt und mich weiter bringt.


Denn diese Sehnsucht ist es, die mich immer wieder weitermachen lässt. In den chaotischsten, nebeligsten Momenten meines Lebens, jedes Mal kommt da diese, keine Ahnung, Stimmung, ein Gefühl, ein Antrieb, eine Energie und die lässt mich dann wieder weiter machen. Sie verleiht mir Kräfte, von denen ich nichts weiß.


Wie schaffen wir es, immer wieder extreme Situationen durchzustehen oder immer wieder aufs Neue weiterzumachen? Ich brauche dafür gar keine Erklärung. Es sind diese wundervollen, lebensverändernden Augenblicke, ähnlich wie das Wunder der Geburt. Du kannst das nicht beschreiben oder erklären. Aber nachdem ich drei wundervolle Geburten erleben durfte, weiß ich diese Sehnsucht einfach sehr zu schätzen und habe sie am eigenen Leib gespürt. Diese Erfahrungen gemacht haben zu dürfen hat mich unfassbar dankbar werden lassen. In meinem Leben sind Kräfte und Energie am Wirken, die ich mir wohl nicht im Geringsten vorstellen kann.


Das Leben regelt doch schon ziemlich viel für mich. Wie eine Welle, auf die ich immer wieder aufspringen muss, um weiterzukommen. Dieses Bewusstsein darüber, dass ich selbst nicht nur das Kind meiner Eltern bin, sondern ein Kind des Lebens, hat sehr vieles in meinem Leben verändert. Und auch meine Kinder sind die Kinder des Lebens.





Dieser neue Denkansatz ist ein Teil des Puzzles hin zu meinem authentischen, glücklichen Leben. Es half mit, aus dem Gefühl des Getrieben Werdens, Gezwungen Werdens, und allein seins raus hin zu einem vertrauensvollen Lebensrhythmus.


Wir sind alle Kinder des Lebens und vielleicht kommen wir uns deshalb auch oft so gezwungen oder versklavt vor. Es gibt ja keine wirkliche Pause des Lebens. Selbst wenn wir nichts tun, unser Herz schlägt weiter und immer weiter. Ein absoluter Gegensatz zu den menschlichen Grundgerüsten, mit denen ich so großgeworden bin und die mir im Laufe meines Lebens begegnet sind. Da geht es eher immer um Anfang und Ende. Beginnen und Aufhören. Los und Stopp. Aber das Leben an sich empfinde ich gar nicht so. Wenn ich mir Beispiele aus der Natur ansehen, geht das eine immer aus dem anderen hervor. Es ist Abwechslung, Rhythmus, ein aufeinander eingehen, die bestehenden Verbindungen eben bewusst wahrnehmend und nutzend.


Ich als Mensch hatte nur allzu oft das Gefühl ein Sklave zu sein, für irgendein System, sei es Eltern, Schule, Geld, Firma, Partner, Kinder, Krankheiten. Es gab schon so vieles, zu dem ich mich gezwungen fühlte. Sogar zum Aufstehen. Jeden Morgen wache ich auf. Ob ich will oder nicht. Selbst wenn ich hundemüde bin und überhaupt nicht aufstehen mag, der Tag geht weiter, die Sonne geht auf, ich wache irgendwann auf.


Deshalb, ja, ich stehe im Dienste des Lebens. Das ist der Deal hier auf der Erde. Ich bin hier, also lebe ich. Eigentlich total logisch. Aber diese Gedanken musste ich erstmal bewusst denken, wirken lassen und in mein Leben integrieren.


Abschließend kann ich sagen, ja, ich stehe im Dienste des Lebens. Aber im Dienst meines Lebens. Und es liegt an mir und meinen Entscheidungen, die ich treffe, ob ich dieses Leben als Sklave des Lebens führen möchte oder als gleichwürdiges Teammitglied mit dem Leben zusammen. Und selbst wenn ich mich dazu entschließe als Sklave des Lebens meine Erfahrungen zu sammeln, dann liegt es immer noch in meiner Hand und an meinen Entscheidungen, wie meine Arbeitsbedingungen hier auf Erden sind. Und das kann auch niemand anderes für mich ändern. Denn nur ich selbst muss für mich herausfinden, welche Arbeits-und Lebensbedingungen ich gut finde und brauche.


Es fühlt sich gut an, dem Leben ein Bewusstsein einzuräumen und der Sehnsucht des Lebens nach Erfahrungen. Wie ehrfürchtig bin ich, wenn ich sehe, wie eine Löwenzahnpflanze in der Mauerritze wächst. Was für ein starkes, wir Menschen würden vielleicht sagen, aufsässiges Kind des Lebens, der Löwenzahn. Auf diese Idee musst du erstmal kommen, dass Leben in dieser Form möglich ist. Und es fühlt sich gut an, mir in diesem Bewusstsein auch einen neuen Platz zu geben. Seitdem fühle ich die Verbindung, die mir über Jahrzehnte hinweg gefehlt hatte täglich immer stärker. Dieses Wissen hilft mir, schwierige Situationen kompetenter zu meistern und durchzustehen. Aus ihnen zu lernen und an ihnen zu wachsen. Und ich habe dadurch auch direkt Mitgefühl für meine Mitmenschen und alle anderen Lebewesen. Denn diese Sehnsucht haben wir doch irgendwie alle gemeinsam.


Hast du der Sehnsucht des Lebens auch schon Platz in deinem Leben, Fühlen und Denken eingeräumt?


LG,

Naddi



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