• Naddi

Meine Depression, ich finde keinen Anfang, dafür aber das Ende



Ein großer Sprung in Richtung Heilung gelang mir, als ich einfach begann zu akzeptieren, dass ich Depressionen habe. Aber ich kam dennoch nicht weiter. Ich konnte die alten Muster nicht richtig loslassen. Ich suchte immer noch nach dem einen Erlebnis, dass meine Depressionen ausgelöst hat. Nach dem einen Trauma. Aber gefühlt kam ich schon depressiv zur Welt. Und die Suche ging weiter und weiter und die Konflikte waren immer wieder die gleichen.


Die "Probleme" meiner Kinder halfen mir bei dem Gedanken, dass es vielleicht gar keinen direkten Ursprung gibt. Vielleicht war es nicht ein Ereignis oder eine Beziehung oder irgendwas eins. Dieser Gedanke machte mich wahnsinnig und da ich mich schon im Akzeptieren geübt hatte und mich dieses Suchen nach dem einen Grund, weshalb es mir schlecht geht, immer wieder runterzog, probierte ich einfach mal es zu akzeptieren, dass es bei mir einfach keinen einen Grund gibt. Kein eines Traumas. Es war einfach vieles bisschen Kacke, aber das war ja auch nicht mehr schlimm. Denn durch diese Ereignisse habe ich meine Kinder bekommen, das wundervollste überhaupt. Deshalb wollte ich dieser Suche keine Wichtigkeit mehr geben. Wollte aufhören zu kämpfen. Vor allem keine Kämpfe mehr, die gar nicht meine waren, denn trotz allem darf ich Mama dieser tollen Menschen sein und will, dass sie sich geliebt fühlen. Und ich weiß, dass ich ihnen mit meiner Selbstliebe ein wichtiges Vorbild bin. Und dieser Gedanke gab mir einfach die Kraft und den Mut, es zu probieren.


Also, nicht mehr nach dem Ursprung suchen. Ich akzeptierte, dass ich Depressionen habe, ich akzeptierte, dass ich in meinem Leben Erfahrungen gemacht habe, die ich als sehr furchterregend empfand. Punkt. Fertig. Und jedes Mal, wenn ich wieder nach dem warum zu suchen begann, erinnerte ich mich daran, dass ich nicht mehr suche, sondern einfach weiter machen und zwar so, dass es sich gut anfühlt.


Nach dem Ursprung zu suchen, war die Hoffnung, das Ende zu finden. Aber dazwischen IST das Leben und darin die Antwort, die Liebe.

Und das wurde jeden Tag etwas leichter, jeden Tag fühlte es sich besser an. Also dadurch lösten sich keine Probleme oder Konflikte in Luft auf. Die Zeit danach stellte mich jeden Tag vor neue Herausforderungen, wie bisher ja auch. Nur diesmal waren es meine bewusst gewählten Herausforderungen und ich kniff nicht mehr, mich ihnen zu stellen. Denn auf einmal meinte ich es ernst damit, mich besser fühlen zu wollen. Von innen heraus. Für mich. Über 30 Jahre war das aber nicht so, diese Muster müssen sich natürlich erstmal neu formatieren. Und ja, das ist echt anstrengend und schwierig. Und bei mir war das ein sehr leiser Prozess, der mich sehr respektvoll und dankbar werden ließ. Weg von meinem bisherigen Drama.


Und ja, ich musste durch genau die Situationen nochmal durch, vor denen ich mich gedrückt hatte.


Aber der große, verändernde Unterschied ist, ich setze mich in den Fokus. Mich, dass ich mich dabei gut fühle, leicht fühle. Und dadurch fühlte ich mich nie alleine, nie einsam oder ratlos. Wahrscheinlich ist das die Erfahrung, wenn wir von Urvertrauen sprechen. Das blinde, naive Vertrauen darauf, dass es der richtige Weg, nämlich mein Weg ist, wenn ich mich dabei gut fühle, wenn ich es akzeptieren kann.


Wer weiß schon, wie das Leben das so macht. Aber es ist möglich und es fühlt sich unglaublich gut an. Und das ist mein Kompass, mein Herz soll sie freuen können. Mein Körper hat keine Verspannungen, ich stehe zu dem was ich fühle und sage. Wenn das passt, dann weiß ich, ich bin auf dem richtigen Weg, auch wenn er steinig ist.


Und aus all den Steinen meiner Erfahrungen habe ich wundervolle Gebilde werden lassen, die mich heute bei stürmischen Zeiten schützen und stärken. Ich erkenne heute, wann ich an meine Grenzen komme. Ich weiß, wenn ich meine Grenze überschritten habe, wie der Ablauf nun sein wird. Und ja, auf meinem Weg der Heilung kommen immer wieder mal Tiefs. Aber ich fühle mich in diesen Situationen heute nicht mehr machtlos oder fremdgesteuert. Heute merke ich, dass ich ansetzen will etwas zu sagen oder zu machen und dann stoppt es in mir und zack habe ich ein paar Sekunden zum Überlegen. Das war früher nicht möglich, wenn der Punkt überschritten war, hatte ich keine Kontrolle mehr über mich und mein Handeln.


Heute schon und ich merke, wie ich jeden Tag kompetenter und sicherer werde. Ich bin sogar so mutig geworden, dass hier alles aufzuschreiben und die "Gefahr" einzugehen, Kritik oder Hohn zu ernten.


Meine Albtraumgegner der Vergangenheit. Das ist mein größter Beweis an mich, dass ich es geschafft habe. Und diese Beweise sind mir sehr wichtig, als Rückmeldung, um zu merken, dass ich ehrlich zu mir bin.


Zusammenfassend gesagt, war der Tag, an dem ich mein altes Ich mit all seinen Anhängseln der Vergangenheit einfach akzeptierte, wie wenn ich ein zu renovierendes Haus kaufe, der Tag der Kehrtwende. Ich begann es mit den mir zur Verfügung stehenden Mittel zu lieben und zu renovieren. Das war einer der schönsten Tage meines Lebens. Keine Erklärungen mehr, sondern kapieren und akzeptieren, dass es halt einfach is´ wie´s is. Warum? Weil das Leben halt auch seinen eigenen Kopf hat. Und ich aber immer die freie Wahl habe mich zu entscheiden, wie ich mich in der jeweiligen Situation fühle und ich habe die Gewissheit, dass sich alles verändert und besser werden kann.


In diesem Sinne.


Ich bin, wie ich bin. Und das ist gut so.


LG

Naddi




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